Warum gehen Frauen fremd? Ein ehrlicher Erfahrungsbericht nach einer Affäre

In dieser neuen Realtalk-Reihe kommen Menschen zu Wort, die mittendrin in einem kontroversen Thema sind. Die Artikel haben uns als Erfahrungsberichte erreicht oder sind im Gespräche mit YouJoy-Redakteur:innen. Im ersten Beitrag fragen wir uns: Warum gehen Frauen fremd?

Im Gespräch mit YouJoy-Autorin Marie berichtet Jennifer, die im echten Leben anders heißt, über ihre Erfahrungen mit dem Fremdgehen. Sie ist 32, beruflich erfolgreich, seit Jahren verheiratet – und hat trotzdem eine Affäre gehabt. Nicht aus Gleichgültigkeit. Nicht aus Rachsucht.

Sondern aus einem Grund, der vielleicht gerade deshalb so schwer zu greifen ist: weil er leise war. Weil er sich über Jahre aufgebaut hat. Und weil er mit ihrem Mann kaum etwas zu tun hatte – aber alles mit ihr selbst. Was Jennifer erzählt, ist kein Bekenntnis und keine Entschuldigung.

Es ist der Versuch, ehrlich hinzuschauen – auf eine Entscheidung, die sie bereut, und auf die Fragen, die sie erst durch diese Entscheidung gelernt hat zu stellen.

Warum gehen Frauen fremd? „Ich war nicht mehr ich“

„Ich war damals 31. Verheiratet seit vier Jahren, guter Job, schöne Wohnung, netter Mann. Von außen war alles perfekt. Und ich saß morgens manchmal am Küchentisch und habe gedacht: Ist das jetzt alles? Nicht weil mein Mann irgendetwas falsch gemacht hätte. Sondern weil ich selbst irgendwie… weg war.“

Weg?

„Ja. Ich hatte aufgehört, mich zu fragen, was ich will. Was ich brauche. Was mich eigentlich ausmacht. Ich funktionierte. Ich war die gute Ehefrau, die zuverlässige Kollegin, die unkomplizierte Tochter. Und irgendwann hatte ich keine Ahnung mehr, wer Jennifer ist, wenn sie all diese Rollen ablegt.“

Die Affäre begann auf einer Dienstreise. Mit einem Mann, den sie kaum kannte. Sie betont das mehrmals – dass es nicht um ihn ging. Nicht wirklich.

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„Er hat mich anders angesehen. Nicht als Ehefrau, nicht als Projektleiterin. Einfach als Frau. Und ich weiß, das klingt klischeehaft. Aber ich habe in diesem Moment gemerkt, wie sehr ich das vermisst hatte. Nicht seine Aufmerksamkeit. Sondern das Gefühl, überhaupt noch jemand zu sein.“

Hast du in diesem Moment gewusst, was du tust?

„Ja. Ich habe es gewusst und es trotzdem getan. Das ist das, womit ich am längsten gehadert habe – dass ich keine Entschuldigung habe. Kein ‚Ich war betrunken‘ oder ‚Es ist einfach passiert‘. Ich habe mich entschieden. Und ich habe mich noch einmal entschieden. Und noch einmal. Die Affäre hat drei Monate gedauert.“

„Was mich wirklich erschreckt hat, war nicht die Affäre selbst. Es war, wie lebendig ich mich dabei gefühlt habe. Das klingt brutal, ich weiß. Aber ich bin nach diesen Treffen nach Hause gefahren und hatte das Gefühl, wieder einen Puls zu haben. Und gleichzeitig war mir zutiefst bewusst, dass ich meinem Mann etwas antue, der nichts dafür kann.“

Wie hast du das ausgehalten?

„Gar nicht gut. Ich habe angefangen, Therapie zu machen – offiziell wegen Stress. In Wirklichkeit, weil ich nicht mehr schlafen konnte.

Und meine Therapeutin hat mir irgendwann eine Frage gestellt, die mich komplett aus der Bahn geworfen hat: ‚Was hättest du gebraucht, um so zu fühlen, ohne jemanden zu betrügen?‘ Ich habe erstmal gar nichts gesagt. Weil ich keine Antwort hatte. Weil ich nie gelernt hatte, mir diese Frage überhaupt zu stellen.“

Jennifer sagt, dass sie das Ende der Affäre selbst herbeigeführt hat. Nicht weil sie aufgeflogen wäre. Sondern weil sie gemerkt hat, dass sie ein Problem löst, ohne das Problem zu lösen.

Warum gehen Frauen fremd? „Mann war ein Symptom“

„Dieser Mann war ein Symptom. Das eigentliche Problem war, dass ich mich in meiner eigenen Ehe – in meinem eigenen Leben – unsichtbar gemacht hatte.

Ich hatte aufgehört, Wünsche zu äußern. Aufgehört, unbequem zu sein. Ich war so damit beschäftigt, alles reibungslos zu halten, dass ich irgendwann selbst nicht mehr vorkam.“

Hast du es deinem Mann gesagt?

„Ja. Sechs Monate später. Das war die schwerste Entscheidung meines Lebens. Nicht fremdgehen – das war feige. Aber es zu sagen, das war das Schwierigste.

Wir haben danach fast ein Jahr Paartherapie gemacht. Wir sind noch zusammen. Aber ich will das nicht als Happy End verkaufen. Es ist ein anderes Leben als vorher. Manches ist besser. Manches ist gebrochen und bleibt gebrochen.“

Was hättest du dir rückblickend gewünscht?

„Dass ich früher laut geworden wäre. In meiner Ehe. Mit mir selbst. Dass ich nicht gewartet hätte, bis jemand anderes mir gespiegelt hat, dass ich noch existiere. Fremdgehen war für mich kein Aufstand.

Es war der stille Beweis, dass ich komplett den Faden zu mir verloren hatte. Und das ist das Traurigste daran – nicht die Affäre selbst, sondern wie lange ich gebraucht habe, um zu verstehen, was sie mir eigentlich sagen wollte.“

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Warum gehen Frauen fremd? Bericht im Fazit

Am Ende des Gesprächs bleibt vor allem eines: Jennifers Geschichte ist keine Geschichte über eine Affäre. Sie ist eine Geschichte darüber, wie jemand sich selbst verliert – still, über Jahre, in kleinen Schritten – und auf einem sehr schmerzhaften Weg wiederfindet. Wie viele Frauen kennen dieses Gefühl, das sie beschreibt?

Dieses Funktionieren, dieses Unsichtbarwerden in den eigenen vier Wänden, dieses leise Verschwinden hinter Rollen, die man irgendwann einfach übernommen hat. Ob das erklärt, was Jennifer getan hat – oder ob es das rechtfertigt – muss jede und jeder für sich selbst einordnen. Wir wollten hier nicht urteilen. Wir wollten zuhören.

Hast du eine eigene Geschichte, die du teilen möchtest? In unserer Realtalk-Reihe kommen Menschen zu Wort, die mittendrin in einem kontroversen Thema sind – ohne Wertung, ohne erhobenen Zeigefinger. Schreib uns an!

Artikelbild: Unsplash / Valeriia Miller; Keywords: Warum gehen Frauen fremd? Ein Erfahrungsbericht

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